Z09 – Carl-Funke in Essen-Heisingen

Entlang des Baldeneysees und durch Heisingen, vorbei an Stollenmundlöchern und ehemaligen Zechenstandorten. Es werden Relikte aus 500 Jahren Bergbau der etwa 100 Kleinzechen und der Großzeche Carl-Funke aufgesucht.

Infos zur Tour
Länge
: ca. 8,5 km; Rundtour Wandern; Höhendifferenz: min./max.= 41/98 m ü. NN.; Reine Gehzeit: ca. 3 Std.; Anforderungen: leicht
Ausgangspunkt: der Parkplatz unterhalb Carl-Funke 1, neben Lanfermannfähre 30
Abstecher: Im Paulushof (Stemmering 18) das Bergbau- und Heimatmuseum
Einkehr: diverse Lokalitäten am Baldeneysee und in Heisingen
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 10/2014; Aktualisiert: 03/2016




Nov 18, 2017 - Sa
Essen Deutschland
Wind 4 m/s, SW
Druck 761.31 mmHg
5°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 100%
Wolken 75%

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Wegführung

(WP1) Ausgangspunkt ist der Parkplatz gegenüber dem Fördergerüst von Carl-Funke 1 (vor dem Lokal Lanfermannfähre 30). Wir lassen das Fördergerüst links liegen und gehen entlang der Straße Lanfermannfähre Richtung Süden bis zur Lanfermannfähre 40 (WP2).
Im roten Backsteingebäude wurde von 1850 bis 1938 die Gaststätte „Zum Ruhrtal“ mit Gartenlokal für die Bergleute auf deren Weg von der Zeche zur Lanfermannfähre betrieben.
Der Weg führt weiter entlang der Lanfermannfähre. Zwischen den Einmündungen Bahnhofstr. und Stemmering lag links der Bahnhof Heisingen. Der Bahnhof gehörte zur Ruhrtalbahn, die von Kupferdreh über Kettwig ab 1872 nach Düsseldorf und ab 1876 auch nach Mülheim führte. Von Kupferdreh ging es dann bis nach Witten. Zunächst wurde in Heisingen eine Personenhaltestelle errichtet, ab 1895 dann auch eine Güterabfertigung. 1955 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt, 1978 der Güterverkehr. 1996 wurde das Bahnhofsgebäude abgerissen.
Wir gehen weiter bis zur Lanfermannfähre 90, schwenken dort rechts und gehen zum See (WP3).
Der Wirt Ludger Lanfermann kaufte 1850 den hinter der heutigen Fassade steckenden Fachwerkbau und übernahm neben der dortigen Gaststätte auch den Fährbetrieb mittels Seilfähre für die Bergleute aus Heisingen und Kupferdreh.1981 wurde der Fährbetrieb eingestellt.
Am See angekommen, biegen wir links ab und folgen für ca. 3 km dem Wanderzeichen =.
Der Baldeneysee wurde 1933 fertiggestellt und dient der Regulierung sowie der Verbesserung der Wasserqualität der Ruhr. Dazu mussten über 50 verlassene Stollen zugemauert oder abgedämmt werden, um die noch fördernden Grubenbetriebe zu schützen. Er ist mit 7,6 Mio. m³ Speichergröße der größte von sechs Ruhrstauseen.
Wir gehen am Trafohäuschen, vor der ehemaligen Eisenbahnbrücke (WP4), hoch und überqueren die ehemalige Trasse der Ruhrtalbahn und biegen nach 100 m rechts ab. Wir halten uns rechts und gelangen zur Straße Stauseebogen (dort wieder rechts). Links neben Haus Nr. 40a ist das Stollenmundloch von Flor & Flörchen zu erkennen.
Die Gebäude waren Betriebsgebäude dieser alten Heisinger Zeche. (WP5) Flor & Flörchen geht auf Fledermaus (erste Erwähnung 1709) zurück, konsolidierte mit anderen 1880 zur Heisinger Mulde und ging in Carl-Funke auf. Zunächst wurde im Stollenbau begonnen, ab 1859 wurde aus einem Tiefbauschacht mit max. 113 Beschäftigten gefördert.
Gegenüber Stauseebogen 11 geht es (weiter auf =) links den Fußweg hinauf. Nach ca. 250 m sehen wir links das Stollenmundloch von Wasserschneppe, dort biegen wir scharf links ab und treffen auf einer Distanz von 40 m zunächst auf das Stollenmundloch von Voßhegge und dann auf den Angelikastollen. (WP6)
Die Anlage mit einigen Schautafeln gehört zur GeoRoute Ruhr. Hier werden sehr anschaulich zu Tage kommende Flöze und der Stollenbergbau erklärt. Voßhegge wurde ab 1830 im Tagebau und ab 1847 im Stollenbau betrieben. Zuletzt wurden 1952 14000 t gefördert.

Weiter den Berg hinauf biegen wir am Holsteinanger rechts ab und kommen nach ca. 320m (noch ca. 50 m vor Haus Heisingen) zu einem kleinen Parkplatz auf dem ein Schild Schacht Franz markiert (WP7 und danach zu Haus Heisingen.
Haus Heisingen ging aus einem Oberhof der Abtei Werden aus dem 9. Jhd. hervor. Zur Überwachung des Ruhrtals und der Grenze zu Sachsen wurde es ab dem 11. Jhd. zur Burg ausgebaut. Im 18. Jhd. War es Sommerresidenz der Werdener Äbte. Ab 1842 wurde es als Betriebsgebäude von Schacht Franz genutzt.
Von Haus Heisingen gehen wir rechts auf dem Geismarweg und überqueren dabei die Straße Nottekampsbank. (WP8)
Nicht weit entfernt (Nottekampsbank 99, heute Nussbaumweg) stand die Bergbauleitstelle, von der ab 1947 nach einer Übernachtung mit anschließender Untersuchung 380 000 vornehmlich ausländische Arbeitskräfte auf die Bergwerke verteilt wurden. Die Konzession der Zeche Nottekampsbank wurde durch den Abt Bernadus 1781 ausgestellt.
Weiter auf dem Geismarweg schwenken wir nach 100 m halbrechts in die Schangstr. und finden in dem kleinen Park links ein Denkmal für Carl Funke. (WP9)
Carl-Funke (1855-1912) übernahm mit 22 Jahren die Leitung der Zeche Pörtingsiepen. Durch konsequenten Zusammenschluss der Grubenfelder zwischen Heidhausen und Dahlhausen sowie Ausbau, Modernisierung und Konzentrierung der Zechen hielt er den Bergbau hier wettbewerbsfähig gegenüber den geologisch bevorzugten Zechen im Norden. 1906 gründete er die Essener Steinkohlenbergwerke AG.
Vom Denkmal kommen wir über das alte Rathaus rechts in den Hagmanngarten, über die Fußgängerzone zum Kreisverkehr. (Von dort kann man einen Abstecher ca. 300 m nach Norden auf der Heisinger Str. bis zum nächsten Kreisverkehr machen, wo eine Nachbildung des Schachtgerüstes Carl-Funke 1 im Maßstab 1:10 steht.) Ansonsten gehen wir links in die Bahnhofstr. und biegen nach 250m rechts in den Stemmering. Im Paulushof (Stemmering 18) ist ein Bergbau- und Heimatmuseum eingerichtet. Vorher biegen wir links in den Krapenbrink (WP10).
Das Haus Krapenbrink 10 war die Leibzucht (Altenteil) des Krampenhofes, später war darin die ev. Schule samt Lehrerwohnung untergebracht, ab 1892 eine Bergmannsfamilie. Zur Errichtung des Altenheimes wurde es abgebaut und an der heutigen Stelle wieder aufgebaut.
Am Ende von Krapenbrink geht es links in die Bahnhofstr. und dort nach 350m rechts in die Carl-Funke-Str. zur Carl-Funke-Siedlung (WP11).
Die Zechenkolonie Carl-Funke wurde 1901 z.T. im Heimatstiel (Fachwerk oben) fertiggestellt und sollte die meist aus dem Osten zuwandernden Bergleute aufnehmen und an die Zeche binden.
Wir bleiben auf der Straße, an deren Ende wir die ehemalige Markenkontrolle der Schachtanlage Carl-Funke passieren. (WP12)
An der Markenkontrolle bekam der Kumpel seine Marke, die er vor Grubenfahrt in der Lampenfahrt abgab und dort nach der Schicht wieder abholte und in der Markenkontrolle abgab. So konnte man kontrollieren wer auf dem Bergwerk und in der Grube war.
Wir gehen ca. 300m durch die schöne Kleingartenanlage auf dem ehemaligen Zechengelände. Direkt hinter dem Ausgang der Anlage liegt rechts in 20 m Entfernung der ehemalige Schacht Carl-Funke 2. (Schachtdeckel mit Schild). (WP13)
Die Zeche Carl-Funke ging aus den Konsolidierungen der Heisinger Kleinzechen hervor. Später kamen die Zechen und Baufelder von Gottfried Wilhelm, Altendorfer Tiefbau, Victoria, Prinz-Friedrich, Dahlhauser Tiefbau und Pörtingsiepen dazu. Schacht 1 wurde 1899 und Schacht 2 1926 in Betrieb genommen. 1965 wurde Schacht 2 (Teufe 593 m) zum Hauptförderschacht (Förderturm) ausgebaut. 1968 förderte das Verbundbergwerk 1,15 Mio. t Kohle. 1973 wird der Betrieb eingestellt.
Weiter auf dem Weg erreichen wir nach 300 m das alte Fördermaschinenhaus von Hundsnocken (WP14).
Hundsnocken war ab 1773 in Betrieb. 1841 begann man mit dem Tiefbau und baute das Maschinenhaus Hundsnocken für die Förderung und Entwässerung der Grube. Man konsolidierte mit Nachbarzechen 1870 zu Heisinger Tiefbau (1870: 82 Mann, 21715 t) und ging schließlich in Carl-Funke über. (Weitere Infos auf den Schautafeln).
Jetzt links den Berg hinab zum Fördergerüst Schacht 1 (WP15). (s. Infotafeln)
Noch etwas abwärts biegen wir rechts in den Fußweg parallel zur Straße. Wir erkennen auf dem 300 m langen Teilstück Pflaster und Schienen des Materiallagerplatzes von Carl-Funke, rechts ein Stollenmundloch von Hundsnocken und eine Schautafel zum Sutansprung. (WP16).
Am Ende des Weges stehen rechts 2 Steigerhäuser. Das Haus 657 war der Pferdestall in dem auch der Leichenwagen stand. Bei den Häusern gehen wir links auf den kleinen Weg direkt zum Wasser und von dort zu unserem Ausgangspunkt (WP1) zurück. Dabei passieren wir zunächst die ehemalige Übungsstrecke der Grubenwehr (Klinkerbau), dann ein Gebäude zur damaligen Kühlwassergewinnung (heute Restaurant) und daneben ein kleines Pumpengebäude, in dem seit Erstellung des Baldeneysees mit seinem höheren Wasserspiegel zunächst der Landabsatz von Carl-Funke und heute Parkplatz, Straße etc. dräniert werden.

Schacht Geokoordinaten Teufbeginn – Verfüllung Teufe (m)
Carl-Funke Schacht 1 51.404082°, 7.049759° 1899 – 1973  572
Carl-Funke Schacht 2 51.403915°, 7.051365° 1926 – 1974  593
Wasserschneppe, Schacht Franz 51.399778°, 7.073900° 1849 – 1885  195
Wasserschneppe Stollenmundloch 51.398703°, 7.075419°
Voßhegge Stollenmundloch 51.399034°, 7.075435°

Heisingen gehörte seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung 796 zum Kloster Werden. 1370 wurden im Heberegister des Klosters 23 Höfe genannt. Bis zur Gewinnung der Steinkohle im 16 Jahrhundert war Heisingen rein landwirtschaftlich geprägt. Bauern gruben zunächst die Kohle zur eigenen Verwendung in Pingen (kreisförmige Aushebungen) oder Graften (grabenförmig) aus. Aus dem Jahre 1520 stammt die älteste Verleihungsurkunde der Abtei Werden zur Gewinnung der Steinkohle. Mit der Belehnung war auch die Pflicht zur Zahlung der Kohlenzehnten an den Landesherrn(Abt) verbunden. Um den Flözen in größeren Teufen zu folgen ging man im 17. Jahrhundert zum Stollenbergbau über. An den Hängen des Ruhrtales und seiner Nebentäler wurden Stollen in den Berg getrieben, an der tiefsten Stelle die Erbstollen, welche das Grundwasser abführten. In Heisingen gab es ca. 100 Kleinzechen.

Ab 1780 wurde mit der Schiffbarmachung der Ruhr die Kohle, oft über Pferdeschleppbahnen, zu Niederlagen oder direkt zu den Ruhraaken transportiert und nach Ruhrort gebracht. Durch den besseren Absatzweg erfuhr der Ruhrkohlebergbau einen erheblichen Aufschwung der sich durch die Einführung der Dampfkraft bei der Wasserhaltung fortsetzte. Um den steigenden Kohlebedarf zu decken ging man Mitte des 19 Jahrhunderts zum Tiefbau über. Mit Hilfe der Dampfmaschinen konnte das Grubenwasser auch aus größeren Teufen gehoben werden. 1871 ging die Ruhrtalbahn zwischen Kupferdreh und Düsseldorf bzw. Mülheim in Betrieb, die Ruhrschifffahrt hatte ausgedient.

Durch Fortsetzung der Konsolidierung Heisinger Kleinzechen und späterem Ausbau der Grubenfelder bis nach Bochum, Hattingen, Kupferdreh und Heisingen bis hin zur Schaffung der Verbundbergwerkes Pörtingsiepen/Carl-Funke konnte man lange gegen die Konkurrenz im Norden des Ruhrgebietes mit ihren günstigeren Lagerstätten gegenhalten. 1973 musste dann aber Carl-Funke als letzte Zeche in Heisingen schließen.

Im Paulushof (Stemmering 18) zeigt das Bergbau- und Heimatmuseum viele Ausstellungsstücke, Pläne, Schautafeln zum Thema Bergbau, Ruhrschifffahrt, Geologie etc. Einen Besuch sollte man unbedingt mit einplanen.

1 Kommentare

  1. Wir haben sogar mit Kleinstkindern im Kinderwagen und Mitglieder der Wandergruppe quer durch das Lebensalter diese Wanderung unternommen. Wir hatten uns die Führung der Zechenwandern HP Ersteller gesichert. Dabei sind wir bis in die Anfänge des Ruhrbergbau geführt worden. Die Informationen waren extra Klasse. Von sehr unscheinbaren Mundlöchern und Kohleflöze, die bis an die Oberfläche zu sehen sind, über die deutlich erscheinenden Gebirgsfaltungen bis in das Heimatmuseum wurde uns der Bergbau von seinen Anfängen bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhundert nahe gebracht. Das Erlebte werden wir in unserem Leben nicht mehr vergessen, da alles in der Nähe unserer Heimat zu finden ist. Wir freuen uns schon auf unsere nächste Wanderung. Glück auf!

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