Z07 – Das Muttental in Witten – Bommern

Dieser Rundwanderweg durch die landschaftlich reizvolle Freilichtmuseum Muttental biete auf 8 km im Ruhrgebiet die umfangreichste Schaustellung von Bergbaurelikten von der Frühzeit bis ins 20. Jahrhundert. Pingen, Stollenmundlöcher, Förderanlagen, Halden und ehemalige Betriebsgebäude werden durch viele Schautafeln umfassend erläutert. Auf der Zeche Nachtigall kommt man sogar in einem Besucherstollen nach Untertage.

Infos zur Tour
Länge
: ca. 8 km; Rundtour Wandern; Höhendifferenz: min./max.= 82/185 m ü. NN.; Gehzeit: ca. 2,5 Std.; Anforderungen: leicht, Wanderschuhe empfohlen
Ausgangspunkt: der Parkplatz direkt bei der Zeche Nachtigall (nur wenn wenig Ausflugsverkehr) bzw. an der Zeche Theresia, von wo man zu bestimmten Terminen mit der Muttentalbahn bis zur Zeche Nachtigall kommt, oder der Wanderparkplatz an der Rauendahlstr. (bei Wegpunkt 18)
Abstecher: Das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall mit Besucherstollen. Das Gruben- und Feldbahnmuseum (Muttentalbahn) auf der Zeche Theresia (Nachtigallstraße), das jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 10-18 Uhr.
Einkehr: Das Bethaus (April -Oktober: Di-Fr 10-16 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, November bis März: Sa/So 11-18 Uhr), das Zechenhaus Herberholz (im Sommer), Restaurant „Zur alten Tür“ Berghauser Straße 14, 58452 Witten (bei WP22), Kaffee-Gärtchen „Auf Nachtigall“, Zeche Nachtigall.
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 02/2015; Aktualisiert: 03/2016




Nov 18, 2017 - Sa
Witten Deutschland
Wind 4 m/s, SW
Druck 761.31 mmHg
5°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 100%
Wolken 75%

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Wegführung

Ausgangspunkt sind die Parkplätze an der Nachtigallstraße, entweder direkt an der Zeche Nachtigall (sehr klein) oder an der Zeche Theresia (Muttentalbahn). Mit der Muttentalbahn kommt man dann „stilecht“ nach Nachtigall. (Termine erfragen!) Bei starkem Zulauf sollte man auf den Wanderparkplatz an der Rauendahlstr. (bei WP 18) ausweichen und dort in den Rundweg einsteigen. Ausgehend von der Zeche Nachtigall halten wir uns zunächst immer links (am Anfang gibt es eine Übersichtstafel zum Rundweg). Dann folgen wir der Muttentalstraße bis zur ersten Station. Der Rundweg ist durch das Wanderzeichen A3 ausgeschildert. Außerdem gibt es auf der Strecke noch zusätzliche Wegweiser zu den einzelnen Stationen. Da die Ausschilderung vorbildlich ist, wird hier auf eine weitere Beschreibung verzichtet.
Der Weg wird durch den Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. betreut. Jede der 31 Stationen wird durch eine Hinweistafel ausreichend erläutert. Mehr Infos zu den einzelnen Stationen gibt es unter den unten aufegführten Links und in dem Buch von Gerhard Koetter „Von Flözen, Stollen und Schächten im Muttental“. Eine Einkehr an Station 5, dem Bethaus der Bergleute, ist ebenso zu empfehlen, wie an Station 7, am Zechenhaus Herberholz, mit einer frei zugänglichen bergbauhistorischen Ausstellung. Am Ende der Tour sollte man unbedingt noch die Zeche Nachtigall mit der Dauer- und einer Wechselausstellung erkunden. Auf dem Freigelände sind außerdem viele Exponate aufgestellt, wie eine Ruhraak, eine Nachkriegszeche und weitere Betriebsgebäude. Wer genug Zeit mitgebracht hat, sollte auf alle Fälle den Besucherstollen befahren. (Termine dazu vorher erfragen! Siehe Link unten.). Außerhalb des 8 km Rundweges (Stationen 1 bis 31) liegen noch die Stationen 32 bis 43. Informationen dazu findet man auf der Wikipedia-Seite des Bergbauwanderweges Muttental. Besonders hinweisen möchten wir auf die letzte Zeche im Ennepe-Ruhr-Kreis, die Kleinzeche Egbert (St. 42) in Witten-Herbede, Kämpenstr. 97.

Schacht Geokoordinaten Teufbeginn – Verfüllung Teufe (m) 
Zeche Nachtigall, Schacht Neptun 1833 – 1892 187  (300 m tonnenlägig)
Zeche Nachtigall, Schacht Hercules 51.429092°, 7.313721° 1844 – 1892 449
Zeche Nachtigall, Schacht Catharina 1947 – 1950 418
Zeche Renate 51.413105°, 7.315566° 1950 – 1952  60
Zeche Orion 51.415833°, 7.311667° 1956 – 1960 100
Zeche Martha, Schacht Brassert 51.4249°, 7.3086° 1794 – 1861 120
Zeche Egbert 51.40321°, 7.28018° 1962-1976 135

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird hier erstmal der Bergbau erwähnt.  Bommern gehört zur Grafschaft Berg, die 1666 zu Brandenburg (später Preußen) fällt.
1695 wird eine der ältesten Gewerkschaften der Gegend, die Gewerkschaft Reiger, urkundlich erwähnt (Stollen Reiger, St. 26). Zu jener Zeit werden die zu Tage tretenden Flöze oberflächennah abgebaut (Pingen). Erst Mitte des 18. Jahrhunderts geht man zum Stollenbergbau über. Vom Tal aus werden Stollen in den Berg getrieben, um an tiefere Lagen vorzudringen. Gleichzeitig wird über Erbstollen das Grundwasser gesammelt und abgeleitet, der wichtigste ist der St. Johannes Erbstollen, der 1777-1863 ca. 1500 m gebaut wird und die Grubenwässer in die Ruhr ableitet (Station 28).
1766 wird unter Friedrich dem Großen die „Revidierte Bergordnung für das Herzogtum Cleve, das Fürstentum Meurs und die Grafschaft Mark eingeführt und die Zechen unter staatliche Verwaltung gestellt. Der Bergmann wird vom Militärdienst befreit und Knappschaftskassen zur Unterstützung der Bergleute im Krankheitsfall eingeführt.
1780 ist die Ruhr nach dem Bau von 16 Schleusen zwischen Duisburg und Langschede für den Kohlentransport schiffbar.
1784 bereist der Freiherr vom Stein die Zechen im Märkischen. Er ist Direktor des Bergamtes Wetter und überwacht u.a. den Wege- und Flußbau und verbessert damit die Infrastruktur für den Absatz. Unter seiner Leitung werden die ersten Schienenbahnen eingeführt. 1787 geht die Rauendahler Pferdebahn als erste deutsche Eisenbahn in Betrieb (von den Baaker Gruben in Bochumer bis zur Kohlenniederlage an der Ruhr). Die Holzschienen sind mit Gusseisen belegt, um den Verschleiß zu verringern. 1792 wird der Freiherr vom Stein Leiter des neu geschaffenen Oberbergamtes.
1829 wird die Muttentalbahn ebenfalls als „Eisenbahn“ gebaut.  Die 6 km lange Strecke verbindet die Stollenzechen im Muttental mit der Kohlenniederlage an der Ruhr und der Chaussee nach Elberfelder, einer wichtigen Kohlentransportstraße ins Bergische Land.
Nachdem der Abbau der Kohlenvorräte durch die Stollenzechen immer unrentabler wird, schließen sich Kleinzechen zusammen, um durch Anlegen von Tiefbauschächten Flöze auch unterhalb der Erbstollen abzubauen. So entsteht die Gewerkschaft Vereinigte Nachtigall, die 1832 mit dem Bau ihres ersten Tiefbauschachtes, Neptun beginnt. Dabei kommen Dampfmaschinen von Friedrich Harkort aus Wetter zum Einsatz, um die großen Wasserzuflüsse zu bewältigen. 1855 ist Nachtigall die Zeche mit der höchsten Förderung im Ruhrgebiet. Die maximale Förderung wird 1857 mit 95.372 Tonnen bei 467 Beschäftigten erreicht. Doch durch ständige Probleme mit der Wasserhaltung kommt es immer wieder zu Betriebsunterbrechungen.
1865 tritt das Allgemeine Berggesetz für die Preußischen Staaten in Kraft. Die Verwaltung der Bergwerkwerke wird wieder eigenverantwortlich der Privatwirtschaft überlassen. Die Bergämter nehmen nur noch bergpolizeiliche und genehmigungsrechtliche Aufgaben war.
1874 entsteht auf Nachtigall der Anschluss an die neu errichtete mittlere Ruhrtalbahn, die Witten mit Duisburg verbindet.
1892 wird die Zeche Nachtigall geschlossen. Von 1911 bis 1947 betreibt noch die Kleinzeche Nachtigall Nachlesebergbau im Hettberg und fördert insgesamt ca. 5000 to.
1929 kommt Bommern zu Witten. Zwischen 1934 und 1955 werden zahlreiche Stollen aufgefahren, um in Zeiten der Kohlenknappheit Restbestände im Muttental abzubauen.
Ab 1962 wird die Kleinzeche Egbert (Station 42 des Bergbauwanderweges Muttental) in Witten Herbede betrieben. Sechs Bergleute bauen in 135 m Teufe 2 Tonne Kohle pro Tag ab. 1976 schließt diese letzte Zeche im Ennepe-Ruhr-reis. 450 Jahre Bergbau in Witten gehen zu Ende.

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