Z06 – Pörtingsiepen in Essen-Fischlaken

Rundwanderweg südlich des Baldeneysees durch das ländlich geprägte Fischlaken, dem ältesten Dorf des Ruhrgebietes. Die Tour führt an Standorten von Kleinzechen und der Schachtanlage Pörtingsiepen vorbei. Es sind nicht mehr viele Bergbauspuren übriggeblieben. Die meisten Flächen hat sich die Natur zurückerobert.

Infos zur Tour
Länge
: ca. 12 km; Rundtour Wandern; Höhendifferenz: min./max.= 53/154 m ü. NN.; Gehzeit: ca. 3,5 Std.; Anforderungen: mittel
Ausgangspunkt: an der Ecke Hammerstr./ Pörtingsiepen, Parkplatz zu Beginn der Straße Pörtingsiepen oder Haltestelle „Hespertal“, Linie 180 der EVAG (Verbindung zwischen den S-Bahnhöfen Essen-Werden und Essen-Kupferdreh).
Einkehr: Imbiss und Restaurant bei Haus Scheppen, Krügers Landgasthaus an der Hammer Str.
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 07/2013; Aktualisiert: 03/2016




Nov 18, 2017 - Sa
Leider nichts gefunden!

Klicke auf die Symbole um Informationen zur Route zu sehen.

Wegführung

Ausgangspunkt ist der Parkplatz zu Beginn der Straße Pörtingsiepen. Die Tour beginnt an dem Schild „Fuß- und Radweg“. Nach 20 m stoßen wir auf die Trasse der Hespertalbahn. An dieser Stelle erkennt man ca. 10 m voraus im Gestrüpp das Hinweisschild zum Bergeschacht Pörtingsiepen. (Hier wurden Berge von Eisenbahnwaggons durch eine Kippvorrichtung nach unter Tage verbracht.) Wir schwenken links auf die alte Bahntrasse und gehen in nördliche Richtung.
Die Hespertalbahn existiert seit 1857. Zunächst wurden über eine Pferdeschleppbahn durch das Hespertal Eisenerze aus Velbert und Heiligenhaus zur Phönix-Hütte in Kupferdreh transportiert, seit 1870 dann Kalkstein zu der Kalkbrennerei in Hesperbrück.(Hammerstr.) Ab 1877 wurde auf Normalgleis umgestellt und Kohlen von Pörtingsiepen 2 (Eisenbahnschacht) abtransportiert. Ab 1927 wurden auch Bergleute von stillgelegten Kupferdreher Zechen mit der Bahn zu Schacht 2 und 3 befördert. Heute fährt an Wochenenden eine Museumsbahn zwischen Kupferdreh und Haus Scheppen.
Nach ca. 350 m lag links die Zeche Nöckerskottenbank (keine Überreste). Auf der rechten Seite sind immer wieder Trichter und Kohlengräben aus dem oberflächennahem Abbau zu erahnen. Noch 200 m weiter ist links ein eingezäuntes Gelände zu erkennen. Dort befinden sich 2 Hinweisschilder zur Zeche Richradt-Dreckbank. Kurz danach führt eine Brücke über die alte Bahntrasse. (WP1). Die Zeche Richradt war eine der ältesten Zechen im Werdener Land (seit 1578). Die Stollen von Richradt erstreckten sich vom Heidhauser Volkswald, über die Hammerstr., bis hin zur Ruhr. Nachdem die Schächte an der Hammerstr. immer wieder in Fristen lagen und mit hohen Wasserzuflüssen zu tun hatten, übernahm man 1880 den Schacht Dreckbank (1862 abgeteuft, 1899 die 6. Sohle mit 380m Teufe). 1910 wurde die Zeche stillgelegt, sie erzielte ihre Höchstförderung 1900 mit 104680 t/a bei 303 Mann.
Nach weiteren 600 m überqueren (immer links halten) wir die Margrefstr. und gelangen zur Seilscheibe von Pörtingsiepen 2 samt Infotafel.
(WP2) Die Margrefstr. weist auf den ältesten Beleg (1506/08) für den Bergbau im Werdener Land hin: „Wilhelm to Hamm et Johan Marckgreve“ sind in den Rechnungsbüchern der Reichsabtei Werden dazu vermerkt. Der Hof Margref (Nr. 33) wurde bereits 1412 erwähnt.
Bei der Seilscheibe überqueren wir links die Straße Pörtingsiepen und gehen auf der rechten Seite die Maasstr. hoch, folgen rechts dem Fußweg in den Wald, gehen den Hang hoch und etwa 10 m nach einer Bank und Weggabelung rechts in den Wald hinein. In 40 m Entfernung liegt der Schacht 2 Pörtingsiepen. Auf dem Weg dahin befindet sich auch ein Hinweisschild zum Wetterkanal.

(WP3) Schacht 2 war Förderschacht von 1880 bis 1972. Über dem Schacht stand zunächst ein Malakoffturm, dann ein Fördergerüst und schließlich ein Förderturm, aus dem die Seilscheibe stammt. Hier wurde auch Anthrazitkohle gefördert. Zur Anlage gehörte eine Brikettfabrik.
Auf dem selben Weg zurück zur Bank und jetzt halbrechts schwenken auf den Weg gegenüber der Bank. Nach 10 m rechts in den Wald hinein findet man nach 20 m Hinweistafeln und den Schachtdeckel zum Wetterschacht Pörtingsiepen. Zurück zum Weg, dann rechts halten, der Fußweg endet nach wenigen Metern an der Maastr, jetzt rechts gehen. Gegenüber liegen ehemalige Steigerhäuser von Pörtingsiepen. Wir gehen daran vorbei und gegenüber dem Ende der Bebauung (vor dem Schild Reiter) rechts in den Feldweg und danach sofort links.
(WP4) Wir sind jetzt am Rand des alten Ortskerns von Fischlaken. Die bäuerliche Struktur ist seit Jahrhunderten erhalten (s.u.). Zu den Höfen kamen nach 1800 die ersten Bergmannskotten, in denen die Landwirte ihre Bergleute und Schichtmeister unterbrachten.
Dem Feldweg ca. 580 m westwärts folgend, stoßen wir auf die „Fischlaker Höfe“. Direkt gegenüber steht der Pörtingshof.
Der Pörtingshof, der 1911 nach einem Brand neu aufgebaut wurde, leitet seinen Namen vom Pfortenamt des Werdener Klosters ab und war damit zuständig für die Armenfürsorge und die Unterbringung von Reisenden und Pilgern. Sein Besitzer war Erbhonne und somit Vorsteher der Honschaft.
An der Straße Fischlaker Höfe gehen wir rechts und nach 40 m links (Fischlaker Höfe 37u.39). Nach weiteren 180m steht rechts eine Lore, hier rechts in den Wald und noch 40 m bis zu den Schildern von Pörtingsiepen 1, dem Ruhrschacht. Zurück auf dem Weg immer rechts halten und bergab bis zur Ruhr. Dort wo wir kurz vorher wieder auf die „Fischlaker Höfe“ treffen, steht gegenüber eine ca. 300 Jahre alte Eiche, dahinter der Kotten Guth. Am Baldeneysee angekommen rechts schwenken. Nach 950 m (rechts beginnt ein Campingplatz) findet man im Gebüsch hinter dem Halteverbotsschild (mit Papierkorb) am Hang zwei zugemauerte Stollenmundlöcher von Maas- und Nierbank.
(WP5) Der Stollen von Maasbank wurde 1751 konzessioniert und steht damit am Beginn des Stollenbaues im Werdenschen. 1881 ging sie in Ver. Pörtingsiepen auf. Maas&Nierbank betrieb seit 1842 eine Niederlage an der Ruhr, deren Ufer noch 500 m weiter nördlich lag. Auf den Niederlagen wurde die Kohle hochwassergeschützt für den weiteren Transport auf der Ruhr gelagert.
Nach weiteren 500 m links in den Fußweg zur Ruhr. Dort sehen wir auf der anderen Ruhrseite das Schachtgerüst von Carl-Funke 2. Bis 1970 gab es bei Haus Scheppen eine Personenfähre, die Fischlaker Bergleute nach Carl Funke übersetzte. Bald treffen wir auf den Motorradtreff bei Haus Scheppen mit etlichen Einkehrmöglichkeiten.
Haus Scheppen war (seit dem 13. Jh.) ein Lehnsgut des Werdener Klosters, zu dem 23 weitere Höfe gehörten. Seit 1930 wurden dort Bergleute untergebracht. Ursprünglich in den Ruhrauen gelegen, ist es durch die Aufstauung des Baldeneysees (1933) von Wasser umgeben. 1944 wurden große Teil bei einem Luftangriff zerstört.
Wir umrunden die „Wasserburg“ und bleiben auf dem Uferweg oder gehen über die Halde Pörtingsiepen (rechts parallel des Uferweges, geeignet nur für den, der den sehr steilen Abstieg am Ende der Halde nicht scheut). Auf dem Uferweg: ca. 500 m bis rechts ein Weg abzweigt. Auf dem Haldenweg: nach der Umrundung von Haus Scheppen und der Überquerung der kleinen Brücke dem großen Hinweisschild zur Hespertalbahn folgen. Nach der kurzen Steigung links am nächsten Schild vorbei auf den kleinen Fußweg. Auf der Halde sind noch viele fossile Abrücke zu finden. Am Ende des Weges die Halde nur mit gutem Schuhwerk hinunter klettern (sehr rutschig und steil!). Beide Wege kommen jetzt an der Uferpromenade wieder zusammen. Zurück auf dem Uferweg geht es weitere 500 m flussaufwärts bis zur Brücke über den Mosbach. Kurz hinter der Brücke gehen wir rechts über den Bahnübergang und folgen dem Wanderweg (zuerst X29, später auch ⊥), dabei im Wald rechts halten, nach ca. 250 m links das Wohngebäude umrunden und weiter X29,⊥ folgen. Im Wald treffen wir auf Mauerreste der Zeche Kaiserin Augusta. Kaiserin Augusta.
Die Zeche entstand durch Konsolidierung vieler Kleinzechen. Vereinigte Reher Dickebank & Erbstollen konsolidierte 1864 mit Königin Louise zu Königin Augusta und diese 1873 mit Overhammsbusch und Große Bovermannswiese zu Kaiserin Augusta. Die Höchstförderung lag 1886 bei 52478 t/a mit 114 Mann.
Am Ende des Waldweges gehen wir linkerhand um die Gebäude und kommen (X29,⊥) zur Hammer Str., rechts ca. 100 m entlang der Straße und nach der Gastwirtschaft links in den Wald (X29,⊥). Dem Weg ca. 800 m bis zum freien Feld folgen, hier rechts auf den K-Weg.
(WP9) Wir sind in der Hammer Mark, der alten Honschaft Hamm. Hier strichen die Flöze von Nordost nach Südwest und kamen im Deilbachtal (Kupferdreh) und südlichem Hespertal (Zeche Mühlenbank, Hermann, Josef, etc.) zu Tage.
Weiter links an der Ludscheidstr. lag die Zeche Fuchsloch. Weiter auf dem K-Weg gelangen wir wieder zur Hammer Str., biegen hier links ab und bleiben ca. 480 m auf dem Gehweg talwärts. Etwa 30 m hinter der ehemaligen Hammer Schule führt links ein Trampelpfad durch das Gebüsch (nach weiteren 40 m) zum Schacht Pörtingsiepen 3.
Pörtingsiepen 3 wurde als Seilfahrt, Wetter- und Bergeschacht 1937/38 abgeteuft, um weitere Grubenfelder zu erschließen. Gefördert wurde weiter auf Schacht 2.
Zurück zur Straße gehen wir noch ca. 350 m bis zur Kreuzung mit der Straße Pörtingsiepen und dann zum Ausgangspunkt am Parkplatz.

Schacht Geokoordinaten Teufbeginn – Verfüllung Teufe
Richradt, Schacht Dreckbank 51.388218°, 7.043838° 1852 – 1910  378
Pörtingsiepen 1 51.397506°, 7.029118° 1835 – 1890  92
Pörtingsiepen 2 51.394525°, 7.042974° 1872 – 1973  795
Pörtingsiepen 2, Wetterschacht 51.395080°, 7.042139° 1899 – 1973  60
Pörtingsiepen 3 51.382432°, 7.044251° 1937 – 1973  823
Pörtingsiepen, Bergeschacht 51.383694°, 7.040992° 1943 – 1973  37
Zeche Kaiserien Augusta 51.384120°, 7.065408° 1873 – 1892  205

Fischlaken, das älteste Dorf des Ruhrgebietes, wird erstmals als „Villa Fislacu“ anno 796 durch eine Schenkung des Alfgatinghofs von dem freien Franken Theganbald an den Klostergründer der späteren Abtei Werden Liudger erwähnt. Der Name verweist auf Fischteiche in den Ruhrauen, dem Bereich des heutigen Baldeneysees, zu denen die Abtei Werden Fischereirechte vergibt. Auch der  Pörtingshof (‚Tottonthora‘) gehört (838) mit zu den frühen Schenkungen an die Abtei. Begünstigt durch die fruchtbaren Böden wird überwiegend Ackerbau betrieben. Bis zum 12. Jahrhundert werden die Wälder gerodet und die Ruhrauen trocken gelegt. Den Kern bildeten bis zur Industrialisierung die Fischlaker Höfe. Früh beginnen die Bauern die hier zu Tage kommenden Flöze in Nebentätigkeit abzubauen. Die Rechte dazu bekommen sie von der Abtei verliehen, der sie dafür den Kohlenzehnten schulden. In den Rechnungsbüchern der Abtei findet sich 1506/08 ein erster Hinweis auf den Bergbau in Fischlaken. Die oberflächennahen Flöze wurden hier durch die Ruhr und ihre Zuflüsse an den Hängen freigelegt. Vom Tal aus baut man mittels Kohlengraften (Gräben) die Flöze ab. Solche Kohlegräben und trichterförmige Vertiefungen (Pingen) zeugen heute noch vom ersten Bergbau. Etwa 1750 ging man zum Stollenbergbau über, um auch an tiefere Vorkommen zu gelangen. Über die Stollenmundlöcher an den Talhängen wird das Grubenwasser abgeleitet. Im 19. Jh. ging man verstärkt zum Schachtbau über, hatte aber oft mit Wasserzuflüssen Probleme. Erst mit dem Einzug der Dampfmaschinen konnte das Grubenwasser so gefördert werden, dass man auch in größere Teufen vordringen konnte. Als Beispiel baut die Zeche Richradt 1695 vier Karren Kohle pro Tag ab, die Höchstförderung beträgt 1900 am Schacht Dreckbank 104680 t bei 303 Mann. Die Geschichte von Pörtingsiepen beginnt 1779. Der Werdener Advocat Schmitz erhält die Erlaubnis, die Kohlenbank im Pörtingsiepen abzubauen. 1804 bauen hier 4 Hauer, 4 Schlepper und 1 Schichtmeister etwa 2000 t/a ab. Schon 1835 erreicht man mit 79 Mann die höchste Förderquote im Werdenschen (14001 t/a). Durch Erwerb zusätzlicher Grubenfelder konsolidiert man zu Vereinigte Pörtingsiepen. 1861 entsteht der Ruhrschacht (Pörtingsiepen 1). Ab 1880 wird ausschließlich über Schacht 2 (Eisenbahnschacht, s. Bild links) gefördert. Die Anbindung an die Ruhrschifffahrt ist nicht mehr rentabel, die Kohle wird über die Hespertalbahn nach Kupferdreh transportiert. Weitere Konsolidierungen mit anderen Zechen folgen. 1906 geht man in die Essener Steinkohlen-Bergwerke auf und wird mit Carl-Funke durchschlägig. 1937/38 wird Schacht 3 (Seilfahrt, Wetter- und Bergeschacht) an der Ludscheidstr. abgeteuft. Die Höchstförderung liegt 1943 bei 630858 t/a. 1960 wird über Schacht 2 ein Turmfördergerüst errichtet und 2 Jahre später auf der 6. (769/820m) gefördert. Zum Grubenfeld mit 52 qkm gehören jetzt fast alle Felder südlich der Ruhr. 1967 erfolgt der Verbund mit Carl-Funke. 1972 werden die letzten Kohlen auf Pörtingsiepen 2 gefördert. Ab 1981 werden die Tagesanlagen abgebrochen. Wer mehr über die zahlreichen Kleinzechen und Fischlaken erfahren will, der sollte die Bücher von Erik Zimmermann (5) und Ludger Fischer (7) lesen, aus denen teilweise zitiert wurde.

1 Kommentare

  1. Mit einer Gruppe von 20 Personen wanderten wir auf den Spuren des Bergbaus Pörtingsiepen.
    Schon bei der Vorbereitung waren mir die Informationen rund um die Streckenführung sehr hilfreich. Alle Beschreibungen und Hinweise waren exakt und gut erklärt. Das Höhenprofil mit seinen vielen Informationen ermöglichte mir eine gute Zeitplanung.
    Bei der Wanderung konnte ich auf die bei der ‚Wegführung‘ eingeschobenen Bergbauinformationen zurückgreifen und viele Fragen beantworten. Sogar Kohle und Fossilien konnten wir am Hang des Weges entlang des Hesperbaches finden. Herzlichen Dank an die Autoren!
    Ich bin begeistert von der Aufbereitung der Tour Z06 und freue mich, weitere Touren auszuprobieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.