Z04 – Concordia Schächte

Rundwanderung im Oberhausener Süd-Westen entlang der Concordia-Schächte 1, 2 und 3 im Bereich des heutigen BERO Centers sowie den Schächten 4 und 5 im Gewerbegebiet Buschhausen (Zum Eisenhammer). Vorbei am ehemaligen Kraftwerk Concordia (heute GMVA Müllverbrennung Oberhausen) geht’s über den Westfriedhof parallel zum Rhein-Herne-Kanal über die Liricher Schleuse zum Schacht Concordia 6, einem Wasserhaltungsstandort der RAG – Deutsche Steinkohle sowie dem „Theater an der Niebuhrg“

Infos zur Tour
Länge
: ca. 10 km; Rundtour; Höhen: min./max.27/40 m üNN.; Gehzeit: ca. 3,0 Std.; Anforderungen: leicht
Ausgangspunkt:Rheinisches Industriemuseum Hansastraße, Parkplätze an der Altenberger Straße oder am Hauptbahnhof Oberhausen (Einfahrt von der Hansastraße).
Haltestellen ÖPNV: „Hauptbahnhof OB“ , „Rheinisches Industriemuseum“ von Linie 976 VRR, und „Altenberger Straße“ Linie SB 94; SB 97
Abstecher: West-Friedhof mit Denkmal an Grubenunglück
Einkehr: BERO-Center
Autor: Klaus Michels , Eingestellt: 04/2013; Aktualisiert: 03/2016




Sep 20, 2017 - Mi
Oberhausen Deutschland
Wind 3 m/s, WSW
Druck 765.07 mmHg
16°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 59%
Wolken 75%

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Wegführung

Ausgangspunkt ist das Industriemuseum des LVR an der Hansastraße. Für den Museumsbesuch sollte man sich besser einen Extra-Tag Zeit nehmen. Einen kurzen Überblick erhalten wir jedoch schon mit einem Blick ins Foyer und einem Besuch des Museumscafès.
Die Ausstellung „Schwerindustrie“ in der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg erzählt über den Alltag von Männern und Frauen, die in der Eisen- und Stahlindustrie ‚malochten‘, über die Macht der Industriebarone und über eine Region, die sich in wenigen Jahrzehnten vom Ackerland in das größte Industriezentrum der Welt verwandelte.
Wir wandern über das Gelände des Industriemuseums zur Altenberger Straße. Diese überqueren wir um durch den Park, zuerst rechts halten und dann an der Hecke links, bis zur Gustavstraße (WP2) vorzudringen. Nun halten wir uns rechts und gehen bis zur Buschhausener Straße. Hier gibt es nun die Möglichkeit etwas ab vom Verkehrslärm durch das Gebiet des ehemaligen Schlachthofes von Oberhausen zu schlendern. Dazu überqueren wir die Straße und gehen an der „Oberhausener Tafel“ vorbei bis zu einer Platanenallee. Links abbiegen und weiter bis zur Metzgerstraße, dann wieder links.

Zurück auf der Buschhausener Straße halten wir uns rechts und unterqueren die Gleise zum Güterbahnhof.
Auf der rechten Seite zeigt sich das Gewerbegebiet Buschhausen „Zum Eisenhammer“. Hier befand sich die Zeche Concordia mit den Schächten 4+5 und der Kokerei.
(WP3) Ein Abstecher zu den Schächten 4/5 ist nicht lohnenswert, da nicht einmal mehr das kleine Hinweisschild mit den Schachtkoordinaten von Schacht 5 am Werkszaun vorhanden ist. Schacht 4 ist mit neuen Gebäuden überbaut worden.
Wir wechseln die Straßenseite und wandern rechts auf dem Fußweg zur Bonnmannstraße. Von hier aus geht es rechts durch den Park, vorbei an alten Platanenalleen und an der GMVA (Müllverbrennung Oberhausen), dem ehemaligen Kraftwerk Concordia. Rechts an der Katharinenkirche vorbei über den Heinrich- Jochen-Platz und der Liricher Straße, dann rechts unter der Eisenbahnbrücke bis Haus-Nr. 151. Links geht es zum Concordiaplatz (WP4). Wir durchlaufen den kleinen Park in westliche Richtung und verweilen an der Trinkhalle Ulmenstraße.
Rechts über die Ulmen- und die Liricher Straße erreichen wir die Kanalbrücke am Westfriedhof (WP5) .
Vom Ende der Kanalbrücke hat man eine gute Sicht auf die Müllverbrennungsanlage (ehem. Kraftwerk Concordia) mit ihrem Hafenanschluss an den Rhein-Herne-Kanal .
Dem Westfriedhof wollen wir einen Besuch abstatten, da sich hier Gedenktafeln zu den Grubenunglücken auf Concordia 4/5 am 12. Febr. 1918 und auf Schacht 2/3 am 23. April 1938 befinden.
Wir biegen links in die Emscherstraße ein und verlassen den Friedhof (Ausgang Schleuse) um über die Schleuse Lirich (WP6) zur andern Kanalseite zu gelangen.
Eisenbahnbruecke_10 Der Rhein-Herne-Kanal wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und 1914 mit insgesamt 6 Schleusen fertiggestellt und in Betrieb genommen. In dem historischen Kriminalroman von Peter Kersken „IM SCHATTEN DER ZECHE“ ist dies sehr anschaulich beschrieben. Mittlerweile ist die Schleuse Essen-Dellwig aufgrund von Bergsenkungen seit 1980 entfallen.
Den Rhein-Herne-Kanal begleiten wir nach rechts folgend auf dem Leinpfad bis zur Eisenbahnbrücke Nr. 10 (WP7) an der Stadtgrenze zu Duisburg.
Über die Niebuhr-Straße geht es links immer geradeaus unter den Gleisen und über die Autobahnbrücke der A3 bis zum Schacht Concordia 6, einem der Wasserhaltungsschächte der RAG.
Schacht_Concordia_6(WP8) Hier am Schacht Concordia 6 befindet sich seit einigen Jahren die NIEBUHRG Kultur- und Theater- Landschaft e.V.
Die Niebuhrg ist auf Oberhausener Stadtgebiet die einzige mit allen Gebäuden erhaltene Zechenanlage.
Wir verlassen das Theater an der Niebuhrg und gehen links die Niebuhrstraße bis zur Duisburger Straße, dem sog. Obermeidericher Bahnhof. (WP9)
Auf Duisburger Seite liegt die „Rock-Kneipe“ BOLLEKE. Hier hatte Zechenwanderer Klaus Michels bereits vor 30 Jahren einen Auftritt mit seiner damaligen Rockband „Frysbee“. Seit Mitte 2013 ist der lange Zeit geschlossene Kulttempel wieder eröffnet.
Entlang des Bahndammes geht es auf der Parallelstraße schnurgerade bis zur Bebelstraße. Wir halten uns links und wandern am wohl etwas zu groß geratenen Berufs-Bildungs-Zentrum vorbei bis zur Kreuzung Am Förderturm wo sich rechts der Wasserhaltungsstandort Concordia Schacht 2 befindet. (WP10)
Leider wurde das Fördergerüst in den 90er Jahren aus statischen und wirtschaftlichen Gründen eingekürzt, so dass ein weiteres Wahrzeichen des Ruhr-Bergbaues dem Rotstift zum Opfer fiel.
Entlang der Bebelstraße geht’s nordwärts am Schacht 3 vorbei in Richtung Concordiastraße. Hier befindet sich eine Seilscheibe mit einer Gedenktafel zur Erinnerung an den Bergbau um Concordia.
(WP11) Wir befinden uns vor dem Nordeingang des BERO-Centers. Hier begann 1968 der Strukturwandel mit dem Abbruch der Zechengebäude. Im Herbst 1972 nach knapp 2 Jahren Bauzeit wurde das Einkaufszentrum eröffnet.
Wir durchstreifen das Bero-Center von Nord nach Süd bis wir wieder auf der Straße Am Förderturm links zur ehemaligen Verwaltung Concordia, dem heutigen Jugend- und Straßenverkehrsamt der Stadt Oberhausen pilgern.
Verwaltung-Concordia. Ein Blick in das Hauptverwaltungsgebäude mit der Aufschrift CONCORDIA lässt den Reichtum und Wohlstand der damaligen Zechengesellschaft erahnen.
(WP12) Nun fehlt natürlich noch der Ursprung der Zechenanlage – der Schacht Concordia 1. Er befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben dem „Druckluft“. Hier wurde neben einem Getränkemarkt vor kurzem eine Gedenktafel mit den wichtigsten Daten aufgestellt. Der Schachtmittelpunkt ist mit einem normalen Kanaldeckel gekennzeichnet und abgedeckt.

Schacht Geokoordinaten Teufbeginn – verfüllt
Teufe (m)
Schacht Concordia 1 51.473039, 6.847683 1850-1939 643
Schacht Concordia 2 51.473691, 6.839288 1856 987
Schacht Concordia 3 51.474365, 6.839382 1893-1968 639
Schacht Concordia 4 51.485476, 6.845222 1900-1968 854
Schacht Concordia 5 51.485839, 6.846376 1903-1968 643
Schacht Concordia 6 51.470627, 6.819022 1912 791

Nachdem im Jahre 1850 die Bergwerksgesellschaft Concordia als Aktiengesellschaft gegründet wurde, begann man noch im selben Jahr mit dem Abteufen des Schachtes 1 in der Nähe des Bahnhofs im Stadtteil Lirich. Dieser Schacht ging 1854 in Förderung. Gleichzeitig baute man eine Kokerei. Die günstig entwickelnde Konjunktur für Kokskohle führte zum Entschluss einen Kilometer westlich einen zweiten Schacht anzusetzen. Schacht 2 ging 1861, ebenfalls mit einer Kokerei in Betrieb. Um die hohe Qualität der zu verkokenden Kohle zu gewährleisten, wurde am Schacht 2 erstmals im Ruhrbergbau eine Kohlenwäsche errichtet. 1893 bis 1895 wurde neben Schacht 2 der Schacht 3 niedergebracht. Weiterhin verfolgte die Gesellschaft seit längerem das Vorhaben, das Nordfeld durch eine eigenständige Förderanlage aufzuschließen. So wurde zwischen 1899 und 1903 in Buschhausen der Schacht 4 niedergebracht, neben dem zwischen 1904 und 1908 der Schacht 5 abgeteuft wurde. Die Schachtanlage 4/5 erhielt eine eigenständige Kokerei. Gleichzeitig erhielt Schacht 1 ein neues Fördergerüst. Zwischen 1912 und 1916 folgte noch 1,5 km westlich der Schachtanlage 2/3 der Wetterschacht 6, der zwar als eigene Förderanlage konzipiert und ausgerüstet war, aber betriebstechnisch zu 2/3 gehörte. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Zeche ohne nennenswerte Zerstörungen, so dass ohne große Förderunterbrechungen weitergefördert werden konnte. 1958 wurde geplant, die Magerkohlenvorräte in der benachbarten stillgelegten Zeche Roland wieder aufzuschließen. Der abgedeckte Schacht Roland 2 sollte wieder instand gesetzt werden. Ein Fördergerüst war bereits errichtet worden. Die Arbeiten wurden nach einsetzender Kohlekrise allerdings eingestellt und nicht wieder aufgenommen.

Die Förderung betrug 1,6 Millionen Tonnen Fett-, Eß- und Magerkohle jährlich.

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