Z03 – Wilhelm und Pauline im Werdener Land

Die landschaftlich reizvolle Wanderung südlich der Ruhr zwischen Werden und Kettwig führt zu Überresten des Bergbaues im Werdener Land. Stollenmundlöcher, die versteckten Überreste der Zechen WILHELM, JACKE und RUDOLF im Oefter Wald, die Geschichten von Kunigunde und dem Fetzer sowie einige gut erhaltene Gebäude von PAULINE sind die Höhepunkte dieser Tour.

Infos zur Tour
Länge
: ca. 11 km; Rundtour; Höhendifferenz: min./max.= 63/183 m ü. NN.; Gehzeit: ca. 3 Std.; Anforderungen: leicht
Ausgangspunkt: Ecke Honschaftenstr. / Geilinghausweg in Essen, seitl. Parkplätze. Haltestelle ÖPNV: Haltestelle „Geilinghausweg“ von Linie 190 der EVAG (Verbindung zum S-Bahnhof Essen-Werden).
Einkehr: Gaststätte Oefter Wald, Oefte 21, 45239 Essen (nicht immer geöffnet)
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 03/2013; Aktualisiert: 03/2016




Nov 18, 2017 - Sa
Essen Deutschland
Wind 4 m/s, SW
Druck 761.31 mmHg
5°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 100%
Wolken 75%

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Wegführung

Ausgangspunkt (WP1) ist Ecke Honschaftenstr. / Geilinghausweg in Essen-Heidhausen mit Parkmöglichkeiten auf dem Randstreifen oder die Anfahrt mit der Linie 190 der EVAG Haltestelle „Geilinghausweg“. Von der Haltestelle Geilinghausweg rechts ca. 330 m auf „A1“ bis Haus Nr.10, der ehem. Kamillusschule. Mit dem Aufschwung des Bergbaues und dem damit einhergehenden Anstieg der Schülerzahlen wurde die Kamillusschule ca. 1800 erbaut und bis 1960 betrieben.
Gegenüber in den Weg (zum Geilinghausweg 15,13,17) und „A2/X17“ folgen. Nach ca. 1300 m im Waldunterhalb der Ruhrlandklinik sind links tiefe Geländeeinschnitte zu erkennen, die vom Flözabbau der Zeche JACKE (s.auch WP3) zeugen. Weiter durch den Wald auf „A2/X17“ bis zur Straße „Zum Timpen“. Dort (gegenüber Haus, Zum Timpen 50) „A2/X17“ verlassen und rechts bergan bis zur Gaststätte Oefterwald. Am Lokal (Biergarten) links vorbei, 300 m über ein Feld, im Wald sofort links, noch 200 m bis zum Schacht WILHELM. Auch wenn man den vergessenen Ort (WP2) im Wald etwas suchen muss, so sind die Reste von Schacht WILHELM der Zeche RUDOLF (WP5) ein unbedingtes Muss der Wanderung.
Obwohl hier Bergbau nur ein Jahr betrieben wurde, so hat er doch auffällige Spuren hinterlassen. Reste des Maschinenhauses, der Schachtdeckel, Stollenmundlöcher, Einfassungsmauern und Entwässerungsrinnen kann man auf dem Gelände entdecken. Damit der Ort seine Mystik behält, sollte man ihn schonend behandeln. 1899 wurde Schacht WILHELM (WP5) bis auf 90 m abgeteuft. Das Bergwerk musste aber 1 Jahr später stillgelegt werden, man war auf den gefürchteten Sutan gestoßen.
Danach wieder ca. 150 m zurück bis zu einem Waldweg, der links ins Tal führt, im Tal links auf „A2/XR“. Wir sind am Oefter Bach. (WP3) Wir befinden uns im Oefter Wald und damit in der ehemaligen „Herrlichkeit“ Oefte.
Hier soll, neben anderen Räuberbanden, auch Mathias Weber, genannt der Fetzer, sein Unwesen getrieben haben (5). Er hat acht Jahre lang mit seiner Bande das Rheinland unsicher gemacht, bis er 1802 in Köln enthauptet wurde. Im Oefter Wald hat die Zeche JACKE das Flöz Jacke abgebaut, das durch das Bachtal strich. Erwähnt wird JACKE erstmals 1778. Das Grubenfeld ging 1900 an PAULINE (WP6) über. Es wurden mehrere Schächte angelegt, um oberflächennah abzubauen. JACKE hatte max. 11 Beschäftigte und 1838 eine max. Förderung von 1.400 t/a.

(WP4) Um 820 wird Haus Oefte (Uvithi) urkundlich erwähnt. Der Rittersitz Oefte war im Mittelalter ein Lehen der Reichsabtei Werden und ging Anfang des 19. Jahrhunderts an die Grafen von der Schulenburg über. Diese ließen die Anlage im Neugotischen Stil umbauen. Heute wird die Anlage von einem Golfclub genutzt.
Hier soll heute noch die unglückliche Kunigunde spuken. Sie wurde von ihrem Gatten Ritter Eberhard von Oefte und Arminia, die nach der Zerstörung der Burg Lüttelnau (Kattenturm) nach Oefte geflüchtet war, umgebracht. Kunigunde erschien später als Geist der Arminia, worauf diese ins Kloster Saarn zog und dort ihr Leben lang Buße tat (8).
(WP5) Bei Haus Oefte lag auch die Zeche RUDOLF. Erhalten ist nur noch ein Stollenmundloch an der Laupendaler Landstraße (Nicht zu empfehlen, da Straße stark befahren!) zwischen Kattenturm und dem Schacht WILHELM (WP2). RUDOLF wurde schon vor 1830 gegründet und anfangs in Stollenbauweise betrieben.1875 wurde ein tonnlägiger (schräg, 45-75°) Schacht mit einer Teufe von 50 m angelegt. In der Nachkriegszeit wurde RUDLOPH bis 1966 wieder betrieben. Mit 107 Beschäftigten baute man 1957 49.000 t ab.
Nach dem Abstecher den Weg zurück und (am Ausganspunkt des Abstechers) links halten (Richtung Oefte 14/15/20). Dann noch ca. 550 m dem Weg folgen und hinter dem ersten Anwesen sofort rechts den Berg hinauf immer „XR/A2“ folgen. Nach ca. 1600 m rechts in einer Anliegerstraße („XR/A2“) und 200m bis zum Kutschenweg, dort links „A1,2“ bis zur Langeheide, dort links „A1, A2“, vor der Linkskurve (hinter dem Trafokasten), scharf rechts in die Straße „Pauline“. Am Anfang der Sackgasse rechts das Stollenmundloch von PAULINE und gegenüber die ehemalige Markenkontrolle, weiter links der Schachtturm und am Ende der Straße das Verwaltungsgebäude.
(WP6) Die Geschichte von PAULINE reicht von 1833 bis 1916. Zunächst wurde in Stollenbauweise abgebaut, später wurden Tiefbauschächte abgeteuft (4. Sohle auf 450 m). Immer wieder wurden die Abbaufelder anderer Kleinzechen übernommen. Seit 1882 transportierte man die Kohlen per Seilbahn bis zum Güterbahnhof Werden. Die max. Förderleistung lag bei 99.119 t/a mit 292 Bergleuten (1909).
Vor dem Tor zum Wohnhaus rechts „5“ nehmen und durch den Wald (Spuren vom Abbau Zeche BRAUT NEBENBANK finden sich hier rechts im Wald), bei der Weggabelung rechts auf den Klusemannsweg „A1“. Am Ende der Straße links in den Geilinghausweg und zurück zum Ausgangspunkt.

Schacht Geokoordinaten Betrieb Teufe (m) 
Schacht Wilhelm 51.36443°, 6.97886° 1899 – 1901  100
Stollenmundloch Rudolf 51.36792°, 6.96249° 1830 – 1966
Zeche Jacke 51.358194°, 6.973985° 1803 – 1854
Stollenmunloch Pauline 51.374391°, 7.000279°

Das Gebiet umfasst die heutigen Stadtteile Werden, Heidhausen, Kettwig, Bredeney, Fischlaken, Heisingen, Byfang und Kupferdreh. Die Karte von 1650 zeigt das bäuerlich geprägte Land mit seinen Einzelhöfen.
Seit 1506/08 ist der Bergbau im Werdener Land durch die Rechnungsbücher der Reichsabtei Werden belegt. Zunächst gewinnen die Bauern die Kohle auf ihrem Grund, mittels trichterförmiger Gruben (Pingen), in den dort zu Tage streichenden Flözen. Dafür liefern Sie dem Abt, der das Bergregal (Abbaurecht) innehat, den Zehnten ab. Seit 1566 sind Gewerke bekannt, die gemeinsam ein Bergwerk betreiben. Das Bergrecht orientiert sich an den „alten Brauch“.
Ab dem 17. Jh. kommen Bergleute zum Einsatz, die die Bauern anleiten sollen. Für die Verwüstung der Oberfläche müssen zusätzliche Abgaben (Tradden) geleistet werden. Einen Aufschwung erhält der Bergbau in der Mitte des 18. Jh. Expandierende eisenverarbeitende Betriebe im Bergischen Land benötigten mehr Steinkohle und durch Beteiligung finanzkräftiger Investoren geht man zum Stollenbergbau über. Mit dem Bau von Schleusen beginnt man mit der Schiffbarmachung der Ruhr. Von den Mundlöchern wird die Kohle direkt zum Ufer und auf die Ruhraaken transportiert. 1796 gibt es 37 Zechen, davon 12 südlich der Ruhr. 1817 wird die Kölner Straße (B224) fertiggestellt und damit der Absatz ins Bergische verbessert. 1818 liegen 25% aller Zechen des Oberbergamtes Dortmund im Werdenschen.
Mit dem Einzug der Dampfmaschine Anfang des 19. Jh. geht man auch zum Tiefbau über. 1837 fördert PÖRTINGSIEPEN 26.800t/a. Im Werdenschen sind jetzt 1200 Mann im Bergbau tätig, 20% der Bergleute des Ruhrgebietes. Die Hälfte der Betriebe hat weniger als 10 Beschäftigte. Als die Nordwanderung durch das Durchstoßen der Mergelschichten voranschreitet und im Norden immer größere Zechen entstehen, überleben nur noch wenige Kleinzechen. Diese versuchen, durch Zusammenlegung ihrer Grubenfelder zu überleben. Wirtschaftskrisen, begleitet von Gebirgsstörungen und Erschöpfung der Kohlevorräte, führen zu weiteren Schließungen. 1911 bleiben 5 Bergwerke übrig. Durch Versorgungsengpässe nach den Weltkriegen werden Kleinzechen wieder kurzzeitig geöffnet. (RUDOLPH 1957, 49000t).
Mit den Großzechen wie CARL FUNKE, PÖRTINGSIEPEN und LANGENBRAHM kann man jedoch auf Dauer nicht konkurrieren. Aber auch für diese kommt 1973 mit CARL FUNKE, dem letzten Bergwerk im Bereich der ehemaligen Reichsabtei – nach 500 Jahren Bergbau und insgesamt rund 600 Zechen – das Aus.

Quelle: siehe Literaturliste, Buch (6)

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