Z18 – Durch das Deilbachtal in Essen-Kupferdreh

Der ca. 10 km lange Rundweg durch Kupferdreh und die Kulturlandschaft Deilbachtal führt entlang der Standorte und Relikte ehemaliger Stollen- und Tiefbauzechen. Daneben können noch der Kupfer- und der Eisenhammer sowie die Deiler Mühle aufgesucht werden. Für viele Anlaufpunkte gibt es Tafeln mit Erläuterungen und einen Audio-Guide (s. Infobox).

Infos zur Tour
Länge
: ca. 10 km; Höhendifferenz: min./max.= 54/115 m ü. NN.; Gehzeit: ca. 3 Std.
Anforderungen: mittel, Wanderschuhe erforderlich
Ausgangspunkt der Marktplatz in Essen-Kupferdreh nahe der S-Bahn Haltestelle und des Busbahnhofes
Besuch: Mineralienmuseum, Kupferdreher Str. 141-143, geöffnet Di-So von 10-18 Uhr, freier Eintritt
Literatur: die Bücher von Johann Rainer Busch zur Kupferdreher Geschichte, insbesondere „Der Steinkohlenbergbau in Kupferdreh und Byfang“,2017, Bücherei Bast in Kupferdreh
Audioguide: hier geht es direkt zu den Audio-Stationen des Ruhrmuseums für das Deilbachtal: www.museum.de/audioguide/68/lang/de
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 03/2020; Aktualisiert:




Juli 7, 2020 - Di.
Essen DE
Wind 0 m/s, NW
Druck 760.56 mmHg
19°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 47%
Wolken 71%

Wegbeschreibung
Wir starten auf dem Kupferdreher Marktplatz nahe der S-Bahn-Station und dem Busbahnhof, gehen über die Bahnstr. über die Bahnstr. zur Kupferdreher Str., wo wir rechts abbiegen und auf der Kupferdreher bleiben. Im Hinterhof von Nr. 188 (Haus 188a) befand sich früher die Waschkaue der Stollenzeche Prinz-Friedrich, hinter Nr. 194 das zugeschüttete Stollenmundloch. Die Karl-Funke-Stiftung von 1903 (Nr. 243-245) erinnert an den großen Bergbauunternehmer. Hinter dem Gebäude lag ein Stollenmundloch von „Schwarzer Adler“, das 2018 hinter der Gabionen Wand freigelegt wurde. Bergbauaktivitäten wurden von hier schon 1667 erwähnt (s. u. Kupferdreher Bergbaugeschichte). Das Kupferdreher Rathaus von 1896 bis 1929 (Nr. 251) zeugt von der Blüte des Kupferdreher Bergbaus (Zechen Viktoria, Adler, Prinz-Friedrich). Haus Nr. 268 von 1895 war das Wohnhaus des Grubenverwalters Wilhelm Heyer, die Häuser 286-290 sind ebenfalls ehemalige Zechenhäuser.
Wir halten uns links bzw. gehen geradeaus in den Fußweg. Auf halbem Weg, neben einem gelben Pfahl, sind am Hangfuß Mauerreste vom Stollenmundloch „Frisches Glück und Friedrich“ zu erkennen, dass 1833 der preuß. Kronprinz mit der Prinz Wilhelm Eisenbahn bereiste. (Wer noch den Kupferhammer besuchen will, geht zur Nierenhofer Str. und folgt dieser später bis zum Schild Geostopp. und folgt diesem ca. 20 Meter bis zum Steinbruch).
Wir gehen nach den Mauerresten auf der Waldtreppe hoch und folgen ca. 600 m dem Waldweg parallel der Nierenhofer Str. bis wir, nach einem Querweg, zum Geostopp Steinbruch (Schild), mit zahlreichen Aufschlüssen, kommen. Dann geht es noch 200 m weiter durch den Wald, bis der Weg an der Nierenhofer Str. endet. Im Anbau des Gebäudes rechts gegenüber befand sich die Waschkaue der Nachkriegszeche Robert, Eisenhammer (1948-56). Wir schwenken links und biegen nach 250 m in die Deile (auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Abstecher zur Deiler Mühle möglich). Nach 220 m auf der Deile geht es (an einer Schranke) rechts in einen Waldweg, dem wir ca. 600 m folgen. Wir halten uns am Ende scharf links und kommen zum Wetterkamin von Victoria und dem ehem. Zechenplatz von Victoria 1, Schacht Wilhelm. Wir drehen dann um und gehen (links halten) 500 m abwärts zur Nierenhofer Str., gehen links 250 m weiter bis zur Kohlenstr und diese ca. 60 m hinein, bis rechts zum Stollenmundloch von Freundschaft (1868).

Von dort zurück zur Nierenhofer und dort links halten und auf der gegenüberliegenden Seite zwischen dem Verwaltungsgebäude der Zeche Victoria (68b) und dem weißen Haus mit Flachdach (68a) hindurch und um 68a herum zum Stollenmundloch vom Himmelskroner Erbstollen. Danach geht es zum Aldi Markt. Dort steht etwa mittig des Parkplatzes am Zaun zur S-Bahn ein Hinweisschild zum Zentralschacht Victoria 2. Wir gehen nun ca. 250 m parallel zum Zaun über den Parkplatz und kommen zur Hundebrücke über die S-Bahn bzw. ehem. Trasse der Prinz-Wilhelm Eisenbahn. Danach geht es rechts in die Straße Deilbachtal, der wir 2,7 km folgen. Nach 600 m lohnt ein Abstecher zum Eisenhammer.
Deilbachtal 106 war die Direktorenvilla der Zeche Adler, Deilbachtal 40 war das Verwaltungsgebäude von Zeche Heinrich, die Adler 1929 übernommen hatte. Auf dem gegenüberliegenden Gelände der Steinwerke befand sich Zeche Adler. Vor der großen Straßenbrücke gehen wir links, die Treppe hoch, dann weiter geradeaus ca. 820 m auf dem Fußweg der Nierenhofer Str. und biegen dann links in die Phönixhütte, später Prinz Friedrich Straße. Die Gebäude rechts waren Wohngebäude der Zeche Prinz-Friedrich und das Akademiegebäude das ehem. Arbeiterwohnheim. Als einziges ist das Werkstattgebäude der Zeche stehengeblieben, heute Q28.
Wir überqueren den Deilbach, und kommen zum Lokschuppen vom Museumsverein Hespertalbahn. Links liegt die Eisenbahnbrücke der ehem. Ruhrtalbahn. Wir gehen über den Parkplatz zum alten Bahnhofsgebäude, danach geht es über die Poststr. Wieder zurück zur Kupferdreher Str. und zum Abschluss in das Mineralienmuseum (Nr. 141) mit einer Abteilung „Kohle – das schwarze Gold.

 

Schacht Geokoordinaten  Betrieb Teufe/Durchm. (m) 
Prinz Friedrich Stolln  51.388847°, 7.082972° 1855 – 1914  
Prinz Friedrich 1, (Carl-Funke 3)  51.39071°, 7.079224° 1919 – 1973 822 / 5,00
Adler 1  51.380766°, 7.087173° 1906 – 1930 304 / 3,70
Adler 2 (Peterburg 2)  51.378971°, 7.086953° 1909 – 1930 138 / 2,80
Adler 3 (Petersburg 1  51.3807278°, 7.0844° 1858 – 1894 ……/ 3,20
Himmelskroner Erbstollen  51.384154°, 7.114983° 1858 – 1894  
Victoria 2  51.383577°, 7.114649° 1909 – 1925 …../ 5,00
Victoria 3  51.38626°, 7.111454° 1913 – 1925  
Wetterkamin Victoria  51.38836°, 7.109035°    
Stollenmundloch Freundschaft  51.385133°, 7.116434°    
SML Frisches Glück u. Friedrich  51.381942°, 7.090603°    
Stollenmundloch Schwarzer Adler  51.385634°, 7.086597°    

 

Die oberflächennahen Flöze,die hier durch die Ruhr und ihre Zuflüsse an den Hängen durch Erosion freigelegt sind, erschloss man zunächst mit Kohlegräben und trichterförmigen Vertiefungen (Pingen), später durch Stollen, um an tiefere Vorkommen zu gelangen. Im 19. Jh. ging man verstärkt zum Schachtbau über. Mittels Dampfmaschinen konnte dann das Grubenwasser gefördert werden, so dass man auch in größere Teufen vordringen konnte.
1528     der Sickelberger Stolln in Rodberg wird erstmals genannt.
1581     Erwähnung von Kohlenbänken in der Hinsbecker Mark in Dokumenten der Abtei Werden
1667     „ward in der Möllney gearbeitet“ aus Zehntunterlagen der Abtei Werden (Zeche Schwarzer Adler)
1803     Zeche Wolgemuth erhält die erste von Dinnendahl selbst gebaute Dampfmaschine im Ruhrgebiet.

Prinz-Wilhelm-Eisenbahn
1830     Die “Deilthaler Eisenbahn”,der ersten Eisenbahn-Aktiengesellschaft Deutschlands, wird eröffnet. Die Pferdebahn führt vom Deipenbeckstal durch Hinsbecker und das Deilbachtal bis nach Nierenhof
1831     Der Preußische Prinz Friedrich Wilhelm bereist die später nach ihm benannte “Prinz-Wilhelm-Eisenbahn” und besichtigt die anliegenden Zechen. 1833 befährt der spätere König Friedrich Wilhelm IV die Strecke und die Hinsbecker Zechen und unterstreicht damit deren Bedeutung.
In den folgenden Jahren wird sie auf Dampfbetrieb und Normalspur umgerüstet und nach Steele und Wuppertal verlängert.
Hespertalbahn (später auch Pörtingsiepenbahn)
1850 gibt es bereits eine Pferdebahn zwischen Heiligenhaus und Velbert für Blei-, Eisen- und Zinkerze. Von dort geht es mit Pferden, später über eine Pferdebahn zur Phoenixhütte in Kupferdreh.
1877 wird die Zeche Pörtingssiepen angeschlossen und auf Normalspur und Lokbetrieb umgestellt.

1852     Bau der Phönixhütte an der Deilbachmündung. Standortvorteile sind die Kohlen der benachbarten Zechen, Erze aus dem Velberter Raum, Kalk aus dem oberen Hespertal und die gute Eisenbahnanbindung.
1855     der Prinz Friedrich Stolln wird nahe der Hinsbecker Mühle angesetzt 1872 konsolidiert man mit anderen zur Zeche Prinz Friedrich, 1873 erreichte man mit 73 Mann ca. 24T to Kohle. 1914 Stilllegung.
1872     Eröffnung der Eisenbahnbrücke und Anbindung an die 1866 errichtete Ruhrtalbahn Richtung Duisburg. Erste Anlagen eines Bahnbetriebswerkes in Kupferdreh.
1875     Die “Gemeinde Kupferdreh” entsteht aus den ehemaligen Honnschaften Hinsbeck und Rodberg. Mit Byfang entsteht 1896 die “Bürgermeisterei Kupferdreh”. 1899 kommen noch Dilldorf und Voßnacken dazu.
1885     Konsolidierung verschiedener Stollenzechen zur Zeche Victoria. 1890 werden Tagesanlagen errichtet. Ab 1893 wird aus Schacht Wilhelm gefördert und später Schacht 2 und 3 abgeteuft. (1920: 145T to mit 865 M)
1898     Einweihung des „Königlich Preußischen Bahnhofs zu Kupferdreh “mit Empfangsgebäude, Bahnbetriebswerk 2 Ringlockschuppen und einem Hauptstellwerk (weitere Ausbauten bis 1934), 4 Nebenstellwerken 22 Haupt- und 15 Nebengleisen.
1903     Fertigstellung des Gebäudes „Karl-Funke-Stiftung“ der evangelischen Gemeinde. Die Baukosten übernahm der Bergwerksbesitzer Karl Funke in Erinnerung an seine Lehrzeit auf der väterlichen Zeche.
1907     Gründung der Zeche Adler aus mehreren alten Kleinzechen. Wichtiger Abnehmer ist das nebenliegende Kraftwerk. 1912 max. Förderung von 329T to mit 901 Belegschaft. 1930 Übernahme durch die Zeche Heinrich und Stilllegung von Adler aufgrund von Absatzproblemen der Feinkohle.
1921     Schacht “Prinz Friedrich 1” wird abgeteuft und Zechenanlagen auf dem Gelände der 1914 stillgelegten Phönixhütte errichtet. 1925 max. Förderung von 112T to mit 471 Mann. Stilllegung der Förderung 1930 und Weiterbetrieb als Wetterschacht Carl Funke III
1925     Stilllegung der Zeche Viktoria im Deilbachtal
1965     Die Ruhrtalbahn, das Bahnbetriebswerk und das Empfangsgebäude werden geschlossen.
1973     Stilllegung des Wetterschachtes Carl Funke III als letzte Bergbauanlage in Kupferdreh.

Wer mehr über Kupferdreh und dem Bergbau dort erfahren will, der sollte die Bücher von Johann Rainer Busch lesen, aus denen teilweise zitiert wurde.