Z15 – Deutschlandweg in Sprockhövel-Haßlinghausen

Der ca. 10 km lange Bergbauwanderweg führt vorbei an Zeugen der 400-jährigen Bergbaugeschichte durch das ländliche Sprockhövel, der südlichsten Stadt des Ruhrgebietes am Rande des Bergischen Landes. Der bergbauhistorische Weg ist nach der Zeche Deutschland benannt.

Infos zur Tour
Länge
: ca.10 km; Rundtour; Höhen: min./max.= 203/257 m ü.NN; Gehzeit: ca. 2,5 Std.; Anforderungen: leicht, Wanderschuhe empfehlenswert
Ausgangspunkt: In Sprockhövel-Haßlinghausen, die Straße Brunsberge an der Kreuzung zur B234, von dort geht es in südwestliche Richtung. ÖPNV mit dem VER, Busbahnhof Sprockhövel-Haßlinghausen und Haltestelle Am Beermannshaus
Abstecher: Die Heimatstube Am Grevendiek, Hauptstraße 85 in Sprockhövel (u.a. mit einer Bergbauausstellung) vom Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel e.V. (Mi 16-18, Fr 16-19, So 11-12.30 Uhr)
Einkehr: Gaststätten, Schnellimbiss und Cafes in Haßlinghausen, Gaststätte „An der Kohlenbahn“ (Mi-So)
Autor: Armin Kähler, Eingestellt: 11/2016; Aktualisiert:




Sep 20, 2017 - Mi
Sprockhövel Deutschland
Wind 3 m/s, WSW
Druck 765.07 mmHg
16°C
Überwiegend bewölkt
Luftfeuchtigkeit 62%
Wolken 40%

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Wegführung

Der Weg wurde durch den Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel e.V. und dem Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. eingerichtet. Die Stationen werden in der Regel mittels Hinweistafeln erläutert. (Mehr Infos zu den einzelnen Stationen siehe Linkliste).
Der Rundweg ist durch das Wanderzeichen Schlägel und Eisen gut ausgeschildert und muss hier nicht im Einzelnen beschrieben werden.
Wer mit dem Auto kommt, sollte in Höhe der Wittener Str. 108 parken. Die Villa wurde 1911 für den Betriebsdirektor der Zeche Deutschland errichtet.
Ausgangspunkt ist in Sprockhövel-Haßlinghausen der Beginn der Straße Brunsberge neben der B234 , von dort geht es in südwestliche Richtung zur Station 2, dem Schacht „Bessere Aussicht“ (rechts, nur kleines Schild).
2.            Schacht Bessere Aussicht (1835) der Zeche Vereinigte Nachtigall und Neuglück (Teufe 88m)
3.            Alter Steinbruch aus dem 19 Jahrhundert einer 1 km langen Sandsteinbank
4.            Schacht Moritz der Zeche Nachtigall
5.            Schacht Lina der Zeche Nachtigall
6.            Pingenzug parallel links im Wald von alten Kohlengrabungen (kein Schild)
rechts weist ein lohnenswerter Stichweg zu Station 7
7.            Spateisensteinzeche Regina mit Mundloch und Rösche!
8.            Pingen, Halden, Schacht Glücksanfang der Zeche Neuglück (kein Schild)
9.           Lichtloch 21 des Stock- und Scherenberger Erbstollens
Nach dem Lichtloch links halten, rechts im Gebüsch befinden sich noch alte Schilder der ehemaligen Trassenführung)
10.          Lochstein der Zechen Stöcker Hauptgrube und Stock & Scherenberger Hauptgrube
Wir treffen auf die Straße „Zum Sackschacht“ und biegen rechts ab.
11.          Schacht Beust der Zeche Deutschland, das ehemalige Maschinenhaus
Entgegen der Beschilderung biegen wir am Ende der Straße zum Sackschacht nicht links in die Zechenstraße ab, sondern halten uns rechts. An der nächsten Kreuzung folgen wir wieder dem Wegzeichen und biegen links in die Kreftingstraße.

12.          Haus des Bergwerksdirektors „Kuxen-Wilm
13.          Bergmannskotten Pöting (nur kleines Schild links am Zaunpfahl)
14.          Bergmannskotten Bosselmann
Nachdem wir den Ortsteil Scheven verlassen,biegen wir vor der nächsten Rechtskurve links in den Waldpfad (Wanderzeichen =) und stoßen bald auf die Sation 15.
15.          Schächte Max, Zeche Stock & Scherenberger (1820)
16.          Karrenspuren der Kohletransporte (nur kleines Schild rechts)
17.          Göpelschacht Agnes (große Pinge rechts im Wald, nur kleines Schild)
Hinter der Maschinenfabrik biegen wir rechts in die Zechenstraße.
18.          Ehemalige Zechenstraße und Bahntrasse zum Schacht Beust
19.          Pferdebahn zur Haßlinghauser Hütte
20.          Schacht Sack der Eisensteinzeche Neu-Haßlinghausen (1855)
21.          Haßlinghauser Hütte
Wir biegen links auf die alte Eisenbahntrasse.
22.          Eisenbahnstrecke Schee–Silschede
23.          Schacht Rudolf der Zeche Gabe Gottes von 1756 (kein Hinweis)
24.          Schächte Glücksanfang und Caroline (kein Hinweis)
25.          Blick in die Mulde mit ausgehendem Flöz Samsbank (kein Hinweis)
26.          Konglomeratsbank
27.          Förderschacht Bessere Dich, (kleines Schild), heute Wohngebäude links ab
28.          Kokerei und Chemische Fabrik
29.          Schächte Harkort und Ulenberg der Zeche Deutschland
Auf der linken Seite liegt die Eisenbahnverladung der Zeche Deutschland (lange Betonwand.)
Am Ende der Eisenbahntrasse liegt links ein zum Wohnhaus umgebautes Fachwerkhaus, der alte Bahnhof Hiddinghausen.
Wir kommen zurück zur Wittener Str., früher auch die Wittener Hauptkohlenstraße, die in der Hauptsache für den Kohlentransport zu den Eisen verarbeitenden Betrieben im Bergischen Land gebaut wurde.
Am Ende der Tour sollte man, „die Heimatstube am Grevendiek“ ,Hauptstraße 85 in Sprockhövel, besuchen (Mi 16-18, Fr 16-19, So 11-12.30 Uhr). Neben einer Bergbauausstellung findet man dort archäologische Funde und eine heimatkundliche Sammlung.

Schacht Geokoordinaten Betrieb Teufe
Zeche Deutschland, Sch. Beust 51.34008°, 7.268669° 1845 – 1925 495
Zeche Deutschland, Sch. Rudolph 1877 – 1925  490
Zeche Deutschland, Sch. Ulenberg 51.344638°, 7.29073° 1891 – 1925  338
Zeche Deutschland, Sch. Harkort 51.344799°, 7.292281° 1858 – 1894

Um das Jahr 1000 wird der Name Sprockhövel erstmals in einem Verzeichnis der Abtei Werden erwähnt: Die Siedlung ,,Spurkinhuvelo“ hat dem Kloster eine Abgabe in Getreide zu entrichten
Das Stadtwappen weist mit Stollenmundloch sowie Schlägel und Eisen auf die Bedeutung des Bergbaues in der Geschichte Sprockhövels hin. Sprockhövel gilt als eine Wiege des Ruhrkohlenbergbaus.
Hier reichen die ältesten Flöze der Steinkohle bis an die Erdoberfläche und konnten so mit einfachsten Mitteln oberflächennah gewonnen werden. Die Stollenzechen des 19. Jahrhunderts weisen noch eine geringe Mitarbeiterzahl auf, Zeche Glückauf in Gennebreck mit 17 Kumpel und Zeche Frosch mit bis zu 20 Mann gehören da schon zu den größten Zechen der Grafschaft Mark.
Die ,,Wittener Hauptkohlenstraße“ durch Hiddinghausen und Haßlinghausen, Teil der heutigen B 51, gilt um 1820 als der ,,befahrenste Weg in der Grafschaft Mark. Ab 1850 sorgt der Abbau von Kohleneisenstein für eine Belebung der Arbeitsplätze.
Zeche Deutschland entsteht 1871 durch Zusammenschluss der Stollenzechen in Haßlinghausen um im Tiefbau unter den Stollensohlen Kohle abzubauen. 1880 waren 33 Bergleute beschäftigt.1902 konsolidiert man mit Vereinigte Stock& Scherenberg. 1905 kommen eine Kokerei mit 60 Öfen und 1910 eine Brikettfabrik hinzu. 1913 erreicht Schacht Beust seine Endteufe mit 495 m und 1276 Beschäftigten erreichen mit 310t Tonnen die höchste Förderung.
Einen Eisenbahnanschluss erhält Sprockhövel erst relativ spät. Ab 1884 führt die Strecke Wuppertal – Hattingen durch Sprockhövel und ab 1889 die Nebenlinie Schee-Silschede durch Haßlinghausen und Hiddinghausen.
Ende des 19. Jahrhunderts geht die Bedeutung des Sprockhöveler Bergbaues stetig zurück, da Flöze nördlich der Ruhr mächtiger waren und bessere Abbaumöglichkeiten boten.
International bekannt wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Sprockhöveler Maschinenbau, insbesondere die Zulieferindustrie für den Bergbau.
Die Schließung der ,,Südrandzechen“ des Ruhrgebiets 1924 trifft die südlichen Ortsteile besonders hart. Die Zechen der Gewerkschaft ,,Deutschland“ werden stillgelegt; damit kommt der Bergbau im Raum Haßlinghausen/Gennebreck zum Erliegen.
In der Nachkriegszeit kommt der Bergbau aufgrund der Ernergieknappheit zu neuer Blüte („Zechen Eimerweise“). Gegen Mitte der sechziger Jahre verschwinden die Kleinzechen wieder.